Schwerhörigkeit

Schwerhörigkeit – was ist das?

Eine Schwerhörigkeit kann an verschiedensten Stellen des Ohres stattfinden. Hierfür gibt es unterschiedlichste Ursachen und Behandlungsmethoden. Allgemein gesagt ist eine Schwerhörigkeit eine Minderung der Hörleistung im Vergleich zum Normalhörenden unterschiedlichster Art.
Besteht der Verdacht auf einen Hörverlust, kann man dies beim Ohrenarzt diagnostizieren lassen. Hierfür lässt der Hals-Nasen-Ohrenarzt ein sogenanntes Tonaudiogramm messen, welches im Optimalfall folgendermaßen aussieht:

Klick

Es liest sich folgendermaßen.
Auf der vertikalen Achse befindet sich die Lautstärke, gemessen in Dezibel (dB). Bei 0dB befinden sich sehr leise Töne, während bei ca. 120dB die Schmerzgrenze für Viele liegt.
Auf der horizontalen Achse befindet sich hingegen die Tonhöhe (Frequenz), gemessen in Hertz (Hz). Der tiefste gemessene Ton liegt meistens bei 125 Hz. Je größer die Frequenz ist, desto höher ist auch der Ton. 8000 Hz ist zumeist der höchste Ton, welcher bei dieser Messung getestet wird.
Natürlich ist das bei Weitem nicht das Spektrum, was ein normalhörender, zwanzigjähriger Mensch hören kann. Dieser hört in einem Spektrum von ca. 20 Hz bis 20.000 Hz.
Die Abbildung des Audiogramms ist in der sogenannten HL-Darstellung. Die 0dB-Linie ist hierbei die durchschnittliche Hörkurve eines Normalhörenden. Spätestens bei 20 dB sollte man in allen Frequenzen ganz leise hören. Alles darüber wird als Hörverlust gekennzeichnet. Wenn Teile der Hörkurve zwischen 20 und 40 dB liegen, bezeichnet man dies als leichten Hörverlust. Zwischen 40 und 60 dB ist es eine mittelgradige Schwerhörigkeit, während 60 – 80dB unter „hochgradig“ fällt. Alles über 80dB Hörverlust fällt unter die Kategorie „An Taubheit grenzend“.

Indikation für Hörgeräte
Wenn auf beiden Seiten die Hörkurve in mindestens einem Punkt je Seite im Bereich von 500 – 4000 Hz schlechter als 30dB ist, ist die Indikation für eine beidseitige Hörgeräteversorgung erfüllt. Bei einer einseitigen Hörgeräteversorgung müssen in diesem Bereich mindestens zwei Punkte bei 30 dB oder schlechter liegen. Zeitgleich muss man bei 65dB im Sprachaudiogramm mit beiden Ohren 80% oder weniger verstehen. Sind diese Bedingungen erfüllt, kann der Ohrenarzt nach eigener Beurteilung eine Verordnung für Hörgeräte ausstellen. In diesem Fall hat man Anspruch auf den jeweils aktuellen Festbetrag der Krankenkassen.

Arten von Schwerhörigkeiten

Schwerhörigkeiten im Außenohr (äußerer Gehörgang)
Diese Art von Schwerhörigkeiten fallen zu denen, die oft am einfachsten zu beheben sind. Oft führt eine Verstopfung des Ohres, bedingt durch Ohrenwachs, zu einem leichten Hörverlust. Durch einfaches Freimachen der Ohren durch den Ohrenarzt wird die Blockade im Ohr behoben. Der Schall kann das Trommelfell danach wieder ungehindert erreichen.
Andere Ursachen können aber auch eine fehlende oder deformierte Ohrmuschel oder Gehörgang sein. Dies sind Fehlbildungen, die sich nicht ganz so einfach beheben lassen.

Schwerhörigkeiten im Mittelohr
Hörverluste, die im Mittelohr entstehen, können viele verschiedene Ursachen haben. Hier ist die Schallweiterleitung durch das Mittelohr erschwert. Mögliche Ursachen können eine akute oder chronische Mittelohrentzündung (otitis media), Tubenverschluss, Trommelfellschäden oder eine Verknöcherung der Gehörknöchelchenkette (Otosklerose) sein. Hier berät der Ohrenarzt, ob die Ursache des Hörverlustes durch eine Operation oder Einwirken von Medikamenten gemindert oder gar behoben werden kann.

Schwerhörigkeiten im Innenohr
Bei dieser Form von Schäden ist das Innenohr, also die Hörschnecke, betroffen. Es gibt auch Schäden des Labyrinths, also dem Gleichgewichtsorgan, jedoch gehe ich hier speziell auf die Hörschäden ein.
Mögliche Ursachen können Knalltraumata (zum Beispiel durch Explosion eines Silvesterböllers), Hörstürze oder Lärmschäden sein. Durch unsere laute Gesellschaft sind wir oft jahrzehntelang Lärm ausgesetzt, was bei dauerhafter oder langfristiger Einwirkung ebenfalls zu Schäden im Innenohr führt. Umgangssprachlich spricht man auch von einer „Altersschwerhörigkeit“, was jedoch heutzutage nicht mehr geläufig ist.
Die kleinen Haarstrukturen im Innenohr werden hier hohen Schalldrücken ausgesetzt, was dazu führt, dass die Härchen „umknicken“ und sich nicht mehr aufrichten. Je mehr Härchen beschädigt sind, desto höher ist der Hörverlust. Manchmal begleiten diese Schwerhörigkeiten auch Ohrgeräusche (Tinnitus).
Für die meisten Innenohrschwerhörigkeiten werden durch den Ohrenarzt Hörgeräte verschrieben, da es bislang keine Möglichkeit einer Operation gibt.

Menschen, die nur noch resthörig sind und bei denen ein Hörgerät nicht mehr zufriedenstellend ist, haben die Möglichkeit auf ein sogenanntes Cochlea-Implantat. Mehr dazu hier

Schwerhörigkeiten am vegetativen und zentralen Nervensystem
Auch Schlaganfälle oder Beschädigungen am Nervensystem können Auswirkungen auf das Hören, vor Allem aber auf das Verstehen, haben. Ein Kunde, den ich 2015 betreute, hatte mehrere Schlaganfälle innerhalb weniger Jahre. Bedingt durch Schädigungen in den Regionen vom Gehirn, welche als Sprachverstehenszentrum fungieren, hatte er kaum noch Möglichkeiten, das Gesagte zu verstehen. Selbst das Verstehen mit Hörgeräten hatte nur wenig Erfolg.
Weitere mögliche Ursachen für eine Hörschädigung in der neuronalen Weiterleitung sind beispielsweise Tumore am Hörnerv (z.B. acusticusneurinom).